Von Wedel zum Hauptbahnhof

Tag 6 der Elbwanderung

Heute morgen ging es ein wenig später als gestern, aber dennoch ganz sutje zur S-Bahnstation Poppenbüttel, von da aus zum anderen Ende der S-Bahnlinie. Nämlich nach Wedel, wo ich gestern meine Wanderung unterbrochen habe. Von da aus bin ich dann erst einmal nach Schulau gegangen. Dort ist das Willkomm Höft, eine Schiffsbegrüßungsanlage, die über Hamburgs Grenzen hinaus sehr bekannt ist. Hier habe ich ein kleines Video für euch aufgenommen und noch ein paar Fotos gemacht, die ihr euch im Slider ansehen könnt. Anschließend bin ich auf der eigentlich schönsten Strecke Hamburgs in Richtung Innenstadt weitergelaufen, die Elbe meist an meiner rechten Seite und schön im Blick.

Das Willkomm Höft bei Wedel

Weil hier jetzt ein Kraftwerk denn Weg an der Elbe unterbricht, muss ich wieder ein bisschen weg vom Ufer, einmal ums Kraftwerk rum. Aber anschließend habe ich wieder die Elbe neben mir. Bei Schulau ist das Willkomm Höft. Das sieht relativ unspektakulär aus auf den Fotos. Und es sieht auch in Wahrheit so unspektakulär aus. Aber dort werden die Schiffe verabschiedet, die Hamburg verlassen, oder ankommende Pötte begrüßt. Ganz in der Nähe steht ein Wagen mit Fischbrötchen, aber ich warte noch, für mich ist das noch zu früh. Ich glaube, ich möchte an den Landungsbrücken ein Fischbrötchen haben oder zumindest so um den Dreh, was die Entfernung anbetrifft. Aber ich fürchte, so lange werde ich es dann doch nicht aushalten und mir schon eher eins gönnen. Nur jetzt noch nicht. Ich bin ja noch nicht sooo weit gegangen von Wedel aus.

Bestes Wanderwetter im Kreis Wedel

Das Wetter ist heute bestens geeignet zum Wandern. Bisher hat es noch gar nicht geregnet. Vielleicht ist die Luft ein wenig feucht, aber das stört nicht. Es sind, schätze ich, so sechs oder sieben Grad im Moment. Wirklich angenehm zum Wandern und mein dicker roter Pulli könnte sich heute als etwas überdimensioniert erweisen.

Schon mein drittes Bundesland

Inzwischen bin ich in Hamburg! Die erste Straße, die ich in der Hansestadt begehe, ist der sehr unspektakuläre Schulauer Weg. Rechts ein paar Pferdchen, links ein paar leere Pferdekoppeln, viele Maulwurfshügel, ab und an ein Auto oder auch zwei, kein richtiger Fußweg. Nicht sehr großstädtisch das Ganze, aber immerhin grün, trocken und überschaubar. Damit bin ich jetzt in meinem dritten Bundesland. Nach Niedersachsen und Schleswig-Holstein durchquere ich jetzt Hamburg. Nicht zu vergessen der rot-weiß-gestreift Leuchtturm auf der rechten Seite, der davon kündet, dass die Elbe nicht mehr fern ist, von der ich mich ja wegen dieses Kraftwerks ein wenig entfernen musste. Aber der Bogen ist bald geschafft, das kann wirklich nicht mehr lange dauern und dann sehe ich wieder die Elbe oder ich rieche sie zumindest wieder stärker.

Eine Abkürzung und etwas Kunst über den Gartenzaun

Weil ich wieder schneller an die Elbe wollte, habe ich eine kleine Abkürzung durch die Wittenberger Heide genommen und bin an einem Skulpturenpark mit interessanten Objekten und schönem Garten vorbeigekommen. Ich habe leider nur ein Foto machen können über den Gartenzaun, da mir die Zeit fehlte. Dieser Skulpturenpark ist ein Objekt der Albert und Edda Darboven Stiftung. Die Stiftung setzt sich für die Förderung der Erziehung sowie der Volks- und Berufsbildung und die Jugendhilfe ein. Der Skulpturenpark befindet sich auf dem Gestüt der Darbovens und ist nicht öffentlich zugänglich. Aktuell gibt es dort 56 unterschiedliche Skulpturen aus den verschiedensten Materialien, die man sich jedoch nur auf der Website anschauen kann. Irgendwie schade!

Schon der nächste Leuchtturm

Das erste Mal in meinem Leben bin ich durch Tinsdal spaziert, einen sehr gediegenen Stadtteil, ausgesprochen hübsch, mit vielen Bäumen, im Hintergrund ist ein Leuchtturm über den Dächern zu sehen. Für meinen Geschmack sind es etwas zu viele glasierte oder glänzende Dächer, aber das ist ja alles Geschmacksache. Wenn man durch den idyllischen Stadtteil gegangen ist, kommt man auf die Wittenberger Heide. Die ist wunderbar gelegen, direkt an der Elbe. Nach einer kleinen Weile gelangt man auf einen Höhenweg, der exzellent mit Bänken ausgestattet ist. Man sitzt auf Augenhöhe mit dem Dach eines Leuchtturms und mir zur Freude gab es dann auch ein, allerdings eher kleineres Containerschiff. Aber immerhin ein Schiff, das ich für euch fotografieren konnte. Sobald ich den Höhenweg wieder verlassen habe, wird es weitergehen am Rissener Ufer und später am Falkensteiner Ufer. Ich hoffe, dass ich unterwegs entweder einen heißen Tee oder Kaffee bekomme. Gegessen habe ich natürlich schon auf diesem Elbhöhenweg. Denn kaum habe ich Wanderstiefel an, bekomme ich Hunger. Es ist unglaublich! Ich trinke jetzt noch einen kleinen Schluck Kaffee aus der Thermoskanne und dann geht es weiter.

Neue Bekanntschaften und Tipps für Fußgänger

In Blankenese ist natürlich die Bebauung am Hang sehr schön, einfach eine Augenweide. Auch wenn es nicht jedem gegeben ist dort zu wohnen, kann sich jeder drüber freuen und ich finde das tatsächlich wunderschön anzusehen. Einen heißen Tee und einen leckeren Apfelkuchen mit Vanilleeis und Sahne gab es hier im Restaurant Ahrberg für mich. Sehr fein! Es fand sich auch eine Steckdose für mein Handy, sodass ich jetzt wieder mir ein paar mehr Prozenten auf dem Akku unterwegs bin.

Zauberhaft war wirklich auch die Gesellschaft. Frau und Herr D. aus Geesthacht saßen am Nebentisch und haben mich auf einem Kaffee in Geesthacht eingeladen, wo ich am Freitag durchgehen werde. Ich freue mich drauf und werde ganz bestimmt anrufen. Vielleicht haben wir ja das Glück, dass es von der Zeit her klappt und wir noch ein kleines Pläuschchen halten können. Zwei Tische weiter saß Elisabeth Pagitz, mit der ich auch ins Plauschen kam. Was für eine nette Restaurantrunde! Elisabeth Pagitz hat mich auf den Verein FUSS e.V. aufmerksam gemacht, der auch einen Ableger in Nürnberg/Fürth/Erlangen hat. Das hat sie gleich vor Ort recherchiert und ich werde ganz bestimmt mal Kontakt aufnehmen. Denn der Verein setzt sich für die Rechte und damit für das Wohlbefinden und die Gesundheit von Fußgängern ein. Nicht nur von Radfahrern. Nein, nein von Fußgängern! Das war eine ganz angeregte Unterhaltung. Doch kurz vor drei Uhr musste ich schließlich weiter, denn ganz so spät will ich heute Abend nicht eintrudeln bei meiner Mutter. Es gibt nämlich Fischsuppe. Sehr leckere Fischsuppe mit viel Dill! Darauf freue ich mich schon und ich möchte ja vielleicht noch ein Fischbrötchen an den Landungsbrücken ergattern. Heute ist mein Kalorien-Booster-Tag! Aber gut, mal sehen, ob das dann zeitlich noch passt.

Teufelsbrück kennt jeder

Inzwischen bin ich schon an Teufelsbrück vorbei. Teufelsbrück ist der kleine Fähranleger, von dem aus man nach Finkenwerder übersetzen kann. In Finkenwerder steigen dann vermutlich viele Leute aus, die dort bei Airbus arbeiten. Auch Teufelsbrück ist hier weithin bekannt. Hier steht auch ein kleiner Teufel, der aber ab und an gestohlen wird. Ich weiß nun nicht, ob ich einfach an ihm vorbeigelaufen bin oder ob er gerade mal wieder entführt wurde.

Hans-Leib-Ufer

Ich gehe immer weiter direkt an der Elbe entlang. Hier sind Parkanlagen, schöne breite Wege, die von Fußgängern und Radfahrern frequentiert werden, sehr viele Bänke. Es ist insgesamt alles recht gepflegt, manche Dinge leiden ein bisschen an Altersschwäche. Aber Gott, ich denke das ist auch normal in so einer großen Stadt. Da kann halt nicht immer alles neu sein. Und eben bin ich östlich von Teufelsbrück am Hans-Leib-Ufer entlang gegangen, für dessen Erhaltung man sich hier engagiert. Man merkt, dass die elbseitige Mauer schon ein bisschen bröckelt, aber trotzdem ist es ein wunderschönes Idyll mit vielen reizvollen Aussichtspunkten. Man kann auf den Fluss und die Schiffe gucken, genau wie man sich das so vorstellt an der Elbe. Für ein bisschen Elb-Feeling habe ich einen kleinen Ufer-Film aufgenommen:

Fast am heutigen Ziel

Inzwischen wandle ich auf der Promenade in Övelgönne und nähere ich mich dem Museumshafen. Ich mag diese kleine Strecke, die wieder an der Elbe und zauberhaften kleinen Häuschen entlangführt. Ganz anders als Blankenese, aber nicht weniger schön und sehr typisch für Hamburg, wie ich finde.

Gedenktag

Nichtsdestotrotz wird es jetzt allmählich dunkel und ich will zügig zu den Landungsbrücken gehen, um an mein Fischbrötchen zu kommen. Da wird es ja wohl eins geben. Doch an der Davidtreppe entscheide ich mich kurzerhand, ein wenig weiter nördlich zu gehen. Und wo stehe ich ganz plötzlich? Am Michel. Dort wurde mein Mann getauft, dessen dritter Todestag heute ist. Das war schon sehr berührend. Jetzt wird mir auch bewusst, dass er ja so gern Apfelkuchen mit Eis und Sahne gegessen hat. Wie ich vorhin. Ein richtiger Gedenktag.

Abitur und heute kein Fischbrötchen

Später komme ich noch am Rödingsmarkt vorbei, wo ich vor Jahrzehnten für das Abitur lernte. Schnellen Schrittes nähere ich mich dann aber dem Hauptbahnhof, erkenne im Dunkeln zwar wenige Gebäude, erinnere aber die Struktur der Straßen. Und so kommt mir das letzte Wegstück dann doch vertraut vor. Zu einem Fischbrötchen habe ich es am Ende dann doch nicht mehr gebracht, aber am Michel vorbeizulaufen war die schönere Alternative!

Wer noch andere spannende Erlebnisse rund um Wedel hat, ich freue mich wieder sehr über Kommentare. Und natürlich auch über persönliche Grüße.