Jakobsweg Nürnberg – Eichstätt, 2. Etappe

Los geht’s

Das Wetter ist bestens. Nürnberg – Eichstätt: Es geht los!

Jakobsweg von Furth nach Hilpoltstein

Für die zweite Etappe des Jakobwegs Nürnberg – Eichstätt von Furth nach Hilpoltstein habe ich einen wundervollen Tag erwischt: einen perfekten Herbsttag mit Sonne, einem leichten Lüftchen und richtig herrlich frischer Luft. Gestartet bin ich in Leerstetten, aber mein eigentlicher Startpunkt ist Furth. Nur Furth ist, glaube ich, mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht so super zu erreichen. Zumindest hatte ich keine Lust, das intensiver zu recherchieren. Es schien mir zu umständlich, sodass ich einfach in Leerstetten aus dem Bus ausgestiegen und zu Fuß nach Furth gegangen bin. Da war ich schon einmal. Denn beim letzten Mal endete meine Tour hier. Für die Rückfahrt lief ich dann wieder nach Leerstetten. Also habe ich diese Strecke jetzt schon drei Mal hinter mir. Sie ist auch nicht allzu lang, nur drei Kilometer.

Meisenvölkchens Badepool

Ich mache dieses Mal tatsächlich nach diesen drei Kilometern eine kleine Pause, denn mir hat die Bank so gut gefallen, die ich hier beim letzten Mal auf dem Rückweg entdeckt habe. Doch da hatte ich keine Lust mehr Pause zu machen, ich war in Gedanken schon auf dem Heimweg. Aber jetzt bin ich durch den wunderschönen Wald gelaufen, musste dabei leider unterwegs ein Meisenvölkchen aus Pfützen am Wegesrand vertreiben. Doch ich denke, die werden ihren Pool inzwischen wieder besetzt haben.

Andere Perspektive

Zwischen den Maisstoppeln habe ich dann auch noch eine Elster aufgescheucht. Die Landschaft sieht, nachdem der Mais geerntet wurde, tatsächlich völlig anders aus. Biegt man hier um die letzte Ecke und blickt auf Furth, sieht man all die Häuser, die sonst hinter dem Mais verborgen waren. Ein ganz anderer Eindruck. Ein wirklich netter, fast talähnlich gelegener Ort, obwohl hier natürlich keine Berge sind. Aber es geht ein bisschen in eine Mulde hinab. Und in einem Garten am Ortsrand weht auch wieder die Fürthflagge, was ich in Furth sehr lustig finde. Ja, jetzt hole ich meinen Kaffee aus dem Gepäck und trinke einen Schluck, esse ein Käsebrot und dann geht es weiter nach Harrlach. Ich muss jetzt auf meinem Streckenplan Nürnberg – Eichstätt prüfen, wo es langgeht, aber ich bin gut vorbereitet, habe alles digital und analog dabei. Man weiß ja nie, ob überall ein Netz zur Verfügung steht.

Flatterhafte Begleitung

Von Furth aus bin ich durch einen schönen, lichten und recht aufgeräumten Wald nach Harrlach gelaufen, wo ich dann erstaunlich schnell den Weg in Richtung Allersberg und Rothsee finde. Nette Orte, am Rand Pferdewiesen, unterwegs begleiten mich Schmetterlinge auf meinem Weg von Nürnberg nach Eichstätt. Okay, ich stolpere auch fast über eine tote Maus, aber insgesamt ist der Weg sehr schön. Durch Harrlach gehe ich dann schnell. Ich dachte eigentlich, ich finde hier noch irgendwo eine Bank, um einen weiteren Kaffee zu trinken und ein bisschen zu diktieren, was ich unterwegs gesehen habe, aber in Harrlach stand keine Bank am Rand meines Weges.

Nürnberg – Eichstätt: Buen Camino

Jakobsweg
Jakobsweg Nürnberg-Eichstätt

Sehr schön ist ein tönernes Schild an der Mauer an einem der letzten Grundstücke am Ortsausgang: „Buen camino“ – das finde ich so zauberhaft, ich bin ganz gerührt. Dann geht’s weiter durch den Wald. Hier gibt es auch einen Zahlenweg, wie ungewöhnlich! Doch ich gehe jetzt weiter nach Allersberg. Das Wetter ist immer noch schön, der Wald ist hier beidseits des Weges eingezäunt, wahrscheinlich sind es Schonungen. Unterwegs begleitet mich nach wie vor die Muschel. Ein bisschen Herbstlaub ist auch schon zu sehen, von der Sonne golden angestrahlt, und die Vögel zwitschern. Vorhin habe ich im Wald ganz oben in den Bäumen einen Specht intensiv hämmern gehört. Zu sehen war er natürlich nicht, aber sehr laut. Ansonsten befürchte ich, dass ich manchmal laut bin, weil ich ein bisschen Musik im Kopfhörer habe und bei manchen Sachen – es passiert einfach so – mitsinge. Die Rehe und Wildschweine in meiner Nähe kennen jetzt also den Text von Another Brick in the Wall.

Wasserschutzgebiet, Blätterrauschen und Libellen

Jetzt habe ich doch tatsächlich mitten im Wald eine Bank gefunden. Gegenüber steht ein Gebäude, das etwas mit dem Wasserschutzgebiet zu tun haben könnte. Inzwischen bin ich auf dem Weg von Harrlach nach Allersberg, es kann nicht mehr allzu weit sein. Ich höre eine Straße, der Weg ist sehr schön gewesen und ich nehme jetzt mal wieder die Musik aus meinen Ohren. Die Blätter rauschen, die Schmetterlinge wurden von Libellen abgelöst, die über den Weg hüpfen. Ja, und ich bin ganz begeistert, denn seit ich so viel Gewicht verloren habe, kann ich auch wieder ohne Probleme bergauf gehen. Der Weg nimmt gerade eine kleine Steigung. Früher hatte ich gedacht, mein Gott, wie überlebe ich diesen Berg. Heute denke ich, mal sehen was man von da oben aus sehen kann. Ich hatte ja auf den See gehofft, aber das hat noch nicht geklappt.

Nürnberg – Eichstätt: hier Allersberg

Jakobsweg
Jakobsweg Nürnberg-Eichstätt: hier Allersberg

Schon bin ich in Allersberg. Ich bin eigentlich recht früh hier und hoffe wieder auf einen Eiskaffee. Allersberg soll ja ein nettes Städtchen sein. Mir steht der Sinn nach einem richtigen Café, in dem man eine Pause machen kann, eine halbe Stunde stricken und dann weiterwandern. Die Landschaft ist wirklich sehr sehr schön, ich bin ganz begeistert, in was für einer schönen Welt ich lebe und will mir noch viel, viel mehr davon anschauen. Vermutlich renne ich grinsend wie ein Honigkuchenpferd durch die Gegend. Aber es ist wirklich toll und macht einfach Spaß. Unglaublich, niemand der mich antreibt, niemand der mich hemmt, mein Tempo, meine Augen, meine Füße, fantastisch.

Eiskaffee und nette Begegnungen

Nach Allersberg bin ich von Altenfeld aus ganz wunderbar gekommen. Kurz vor der Ortsmitte ist ein hübscher Teich. Im Vorbeigehen spricht mich ein netter Herr an, wir kommen ins Plaudern, ich berichte, dass ich jetzt einen Eiskaffee brauche und er hat mich nett plauschend zu einem Eiscafé geleitet. Da mache ich dann Pause, stricke ein bisschen und genieße einen riesengroßen, perfekten Eiskaffee. Es ist der erste, möglicherweise auch der letzte in diesem Jahr, und er ist großartig. Der Weg nach Allersberg hat sich gelohnt. Allersberg selber ist sehr hübsch, aber überschaubar. Immerhin sind dort schon mehr Menschen auf der Straße als in allen anderen Orten, durch die ich bisher kam.

Allersberg auf der richtigen Seite der Weggabel zu verlassen, ist nicht ganz trivial, weil hier wirklich viele Wanderwege, nicht nur der Jakobsweg Nürnberg – Eichstätt entlangführen. Alle Wege scheinen sich hier zu kreuzen, man kommt an manchen Stellen mit einem Dutzend Wanderwegschildern gar nicht aus, eben waren es locker zwanzig. Bald muss es hier unter der Autobahn durchgehen oder eben über die Autobahn hinweg, deshalb rauscht es auch so im Hintergrund. Auf alle Fälle bewege ich mich in Richtung Rothsee, an dem entlang ich dann ungefähr sieben Kilometer nach Hilpoltstein laufen werde. Ich freue mich sehr auf den See und habe die Route extra so gewählt, dass ich möglichst viele Kilometer am Wasser entlanglaufe.

Ein kleiner Plausch am Wasser

Jetzt bin ich schon ein ganzes Stück am Rothsee entlanggelaufen, bin also an seinem nördlichen Teil und nähere mich Hilpoltstein. Ich schätze, das sind jetzt noch vier oder fünf Kilometer. Gerade hatte ich wieder einen netten Plausch mit einem Radfahrer, der mir berichtete, dass er den Jakobsweg ganz gelaufen ist. Er ist durch die Schweiz gewandert. Ich glaube gerade, dass ich das später auch machen möchte. Und ich bekam obendrauf noch eine Empfehlung für eine Fußsalbe mir fünf Funktionen und Latschenkiefer. Danach werde ich mich mal erkundigen. Es kann ja nichts schaden, wenn man die dabei hat. Und jetzt geht’s weiter nach Hilpoltsein.

Auf nach Hause

Mein Akku vom Telefon hielt genau bis zum Bahnhof in Hilpoltstein, nein, noch ein wenig länger, aber ich habe es dann einfach ausgemacht. Ich brauchte ja nun keinen GPS-Tracker mehr. Zum Glück standen dort zwei junge Frauen, die sich mit dem Bahn- und Busfahren dort auskannten und so konnte ich meine Fahrkarten im Bus kaufen, brauchte meine App nicht mehr und bin richtig zügig wieder nach Hause gekommen. Alles ganz wunderbar!

Jakobsweg Nürnberg – Eichstätt 1. Etappe

Neugierig geworden? Von Nürnberg nach Furth.