Jakobsweg Nürnberg – Eichstätt, 4. Etappe

Vom Gasthof zum Hirschen nach Emsing

Heute morgen begann der Tag mit einem soliden Frühstück im Gasthof zum Hirschen. Es gab selbst gemachte Marmelade und Honig von einem Imker aus der Region. Dazu noch ein Rührei. Ich durfte mir Kaffee mitnehmen und jetzt bin ich schon längst wieder unterwegs nach Eichstätt. Ich bin in Richtung Morsbach losgegangen, nachdem ich mich von den freundlichen Wirtsleuten noch habe beraten lassen, was die Routenauswahl betrifft.

Die Entscheidung war genau richtig. Es war ein schöner und ruhiger Weg. Eigentlich war es eine Straße, aber da fährt fast kein Auto und deswegen gehörte die Straße mir. Das schönste Stück kam dann vor Emsing. An der Seite eine wunderschöne Bachlandschaft. Wenn es hier erst einmal anfängt zu grünen, dann muss es wunderschön sein, die verschiedenen Grüntöne an diesem Bachlauf zu sehen! Jetzt sieht man schon ein bisschen, wie sich die Äste verfärben. Es scheint jetzt alles grün werden zu wollen. Der Bach selbst ist recht breit und teilweise ragen abgestorbene Bäumen ins Wasser. Scheinbar ist es teilweise Totwasser. Es ist ein besonders malerischer Weg, den ich sehr empfehlen kann. Ich habe mir unterwegs überlegt, dass ich dieses Mal auch die GPX-Dateien veröffentliche. Dann kann jeder den Weg nachlaufen. Ich glaube, das ist eine gute Sache.

Freundliche Menschen

Dann hatte ich Glück. Als ich schließlich in Emsing ankam, war gleich linker Hand ein Gasthof mit einem Restaurant. Es parkte jemand und brachte Einkäufe ins Haus. Ich habe gleich gefragt, ob ich die Toilette benutzen dürfe. Und ja, ich durfte. Sehr freundliche Menschen. Gegenüber eine ländliche Kirche. Leider konnte ich nicht hinein, aber ich habe mir den gepflegten Kirchhof angesehen.

Auf dem Pilgerweg

Als ich weiterging, habe ich mich für den Wallfahrerweg entschieden. Da gab es wieder eine kleine Steigung für mich. Ich liebe Steigungen inzwischen, es ist so toll, wenn man oben ist. Und diese war jetzt auch nicht dramatisch. Jetzt gehe ich auf einer kleinen Anhöhe spazieren und kann über das Tal blicken, auch wieder über den Bachlauf. Ich bin gespannt, was es jetzt noch zu sehen gibt. Richtung Altdorf bin ich inzwischen unterwegs. Altdorf bei Titting, es gibt ja viele Altdörfer bei uns. Und nach Altdorf gibt es nichts mehr zu trinken, das erfuhr ich schon heute Morgen von den Wirtsleuten. Ich hoffe, dass ich in Altdorf noch ein Käffchen bekomme. Es sind nur noch zwei Kilometer und dann habe ich schon wieder einen großen Teil des Weges geschafft. Im Moment genieße ich hier tatsächlich die Aussicht, ich wollte hier eigentlich gar keine Pause, aber die Bänke bieten so einem wunderschönen Blick über das Tal, da musste ich mich einfach nochmal setzen. Es ist bestimmt eine tolle Urlaubsregion hier. Ich denke, es wird viele verschiedene Wanderwege geben, die links und rechts über die Anhöhen führen.

Ein kleiner Verlaufer

Eichstätt
Morbider Charme

Bevor ich von diesem Aussichtspunkt aus Altdorf erreichte, habe ich mich vermutlich verlaufen, ich bin mir nicht sicher. Es war wohl nur ein kleiner Verlaufer. Vielleicht führte der Weg auch tatsächlich hier entlang. Aber ich bin an einem Hang entlang gelaufen, der etwas abschüssig war. Es gab nur einen Trampelpfad, der ebenso schräg war wie der Hang. Ich habe mir überlegt, wenn ich ins Stolpern komme, werfe ich mich nach oben flach auf den Hang. Hauptsache nach oben, nur nicht nach unten. Es ist dann doch gut gegangen. Es standen allerdings auch an diesem Wegstück die Pilgerzeichen. Nicht die vom Jakobsweg, sondern die vom Wallfahrerweg. In Altdorf wurde ich begrüßt von einem sehr morbiden Haus. Man durfte auch das Grundstück nicht betreten, was ich gut nachvollziehen konnte, weil im Hintergrund eine Felswand war, die schon ein wenig bröckelig wirkte. Zumindest gab es in diesem Ort keinen Kaffee für mich. Wie gut, dass ich noch welchen dabei hatte. Es war sehr ruhig, es waren kaum Menschen auf der Straße zu sehen und ich habe den Ort rechter Hand wieder verlassen. Auf der rechten Seite ging es auf einer Landstraße ein bisschen hügelan. Später, als ich schon längst aus dem Ort raus war, habe ich die Landstraße gequert und dann kam meine Steigung. Ich habe sie mit Bravour gemeistert. Steigungen passen inzwischen in meine Wanderwelt. Es darf ja auch mal ein bisschen anstrengender werden beim Laufen. Also so ein bisschen!

Wälder aller Arten

Irgendwann war ich ziemlich weit oben, habe mir dann aber überlegt, einen bestimmten Weg zu nehmen und das hätte ich wahrscheinlich nicht tun sollen. Aber egal, es hat irgendwie doch Spaß gemacht. Es war nämlich ein Forstweg. Ich habe auf dieser Tour heute jede Menge unterschiedliche Waldformen gesehen. Jungen Wald, ganz kleine Buchen, ganz viel Fraßschutzröhren. Ich habe Mischwald gesehen, ich habe Steckerleswald gesehen, abgeholzten Wald und Wald mit Sturmschäden, Wald, in dem Sturmschäden aufgeräumt wurden, aber auf diesem Stück habe ich vor allem ganz viel Forstwirtschaft gesehen. Es lagen große Stämme rechts und links des Weges und vor allem waren die Wege stark ausgefahren.

Schmoddrige Stiefel

Meine Stiefel sahen selbst am Abend noch ganz schön schmodderig aus. Aber sie haben alles gut ausgehalten. Ich behielt trockene Füße und der Dreck war nur außen. Wirklich großartig, die Schuhe funktionieren und ich habe mich in ihnen sicher gefühlt. Obwohl der Weg auch ohne Steigung schon eine kleine Herausforderung war. Am Ende des Weges kam ich wieder auf den normalen Wanderweg – nachdem ich über zwei Tannenstämme steigen musste, die quer über dem Weg lagen. Vielleicht wollte man verhindern, dass jemand diesen Weg wandert. Leider war das am anderen Ende des Weges nicht der Fall, da wollte niemand meinen Durchgang verhindern. Es war trotzdem schön, ich bin drüber hinweg gekraxelt und schon ging es links auf sehr gepflegten Wegen weiter. Es war ein sehr entspanntes Gehen mitten im Wald. Später hatte ich eine kleine Irritation mit der Navigation, weil ich eine Hauptstraße queren musste, aber keine richtungsweisende Muschel fand. Vielleicht wurde sie mit irgendeinem Baum gefällt? Ich bin dann wieder dem Wallfahrerweg gefolgt, es ging nochmal bergauf und ich in sehr schönen, teilweise lichten, teilweise weniger lichten Wäldern unterwegs. Ich traf keinen Menschen und es war eine entspannende Auszeit vom Stadtleben.

Nistkästen, Tümpel und Naturmonumente

Im Wald selber gibt es immer erstaunlich viel zu sehen. Sei es ein Nistkasten hoch an einer Tanne, über den man sich wundert, weil man denkt, da haben die Vögel ja sowieso genug Gelegenheiten zum Nisten, sei es ein Tümpel am Wegesrand oder auch mal, wobei wir wieder beim Thema Entsorgung wären, eine Kiste mit leeren Bierflaschen. Wer da Spaß gehabt hat, der könnte vielleicht mal vorbeischauen und die Kiste abholen. Aber die steht schon eine Weile an diesem Fleck. Unterwegs habe ich auch wieder den Zahlenweg gekreuzt, den ich ja ein paar Wandertage zuvor schon einmal gesehen hatte. So trifft man sich wieder. Unterwegs gibt es immer wieder religiöse Andachtsstätten, aber auch faszinierende Naturmonumente, wie die Wurzel eines gestürzten Baumes, die in den Himmel aufragt und einfach nur toll aussieht.

Forsthaus Affenthal

Ich streife jetzt einen Ort, gehe über eine Straße, mache eine Pause auf einem moosbewachsenen Baumstamm, genieße einen Moment eine gemütliche Pause und weiter geht’s. Dann komme ich an einem Ort vorbei, der heißt Forsthaus Affenthal, dort ist es sehr idyllisch. Zwei Katzen liegen vor der Tür in ihren Körbchen, eine dritte streunt ein bisschen über das Grundstück. Danach scheine ich aber mal wieder nicht den richtigen Weg gefunden zu haben, denn ich muss ein kleines Stück an einer Landstraße gehen. Das war unangenehm. Ich hätte zurück und anders gehen können, damit ich den parallel verlaufenden Wanderweg erwische. Aber ausgeschildert war es tatsächlich so. Ich habe mich dann aber wieder links in die Natur gestürzt und nach einer Weile einen besseren Weg gefunden. In Buchenhüll, wo ich wieder durch den Wald ging, bin ich durch ein Gebiet des Forstbetriebs Kipfenberg spaziert, der sein Naturschutzkonzept auf Tafeln erklärt. Ein Stückchen davor gibt es einen Park- und einen Spielpatz. Ich bin nicht sicher, ob für Kinder oder für Erwachsene. Ich bin weiter durch den Wald gestiefelt, habe religiöse Objekte entdeckt und bin schließlich am Ziegelhof herausgekommen.

Der Ziegelhof und seine Söhne

Kurz vor Eichstätt habe ich eine kleine Kapelle entdeckt. Eine Familienkapelle, die zum Ziegelhof gehört. Vor dem Hof kamen zwei große Hunde angestürmt, der eine wollte „Hallo!“ sagen, der andere war etwas zurückhaltender. Als ich wieder aus der Kapelle herauskam, hatten sie sich getrollt. Ich war wohl doch zu langweilig. Später musste ich über eine große Straßenkreuzung und bin dann wieder parallel, diesmal auf der rechten Seite der Landstraße, nach Eichstätt gewandert. Das erste, was ich auf diesem Weg sah, war auf der linken Seite ein wunderschöner Baum mit einer Bank und einem Kreuz. Sehr schön gelegen und eine gute Gelegenheit für Wanderer zum Innehalten. Ich bin dann weiter gegangen und habe einen Gedenkstein entdeckt, auf dem es heißt, am dritten Mai 1865 verunglückten hier in Folge des Sturzes vom Wagen die Ziegelhofbauers Söhne. Vermutlich hießen sie Johannes und Willibald Brehms, die Vornamen sind abgekürzt, im achten und neunten Lebensjahr. „Bedenke, dass der Tod nicht säumet.“ Ein trauriger Stein. Aber es ist auch schön, dass er nach so langer Zeit immer noch gepflegt ist und an seinem Platz steht.

Eichstätt mit seinen vier Bahnhöfen

Danach geht es bergab. Ich komme in Eichstätt an und suche mir das nächste Cafe. Interessanterweise stolpere ich in eine Gaststätte, die von Menschen mit Migrationshintergrund geführt wird. Die Dame, die mir dort einen wunderbaren Kaffee serviert, spricht leider nicht viel Deutsch. Der vermutliche Wirt hat ihr geholfen, indem er übersetzt hat. Und mir hat er freundlicherweise genau erklärt, wie es sich in Eichstätt mit den Bahnhöfen verhält. Ich hätte nämlich gedacht, ich muss auf die andere Seite des Ortes laufen, wo der Bahnhof Eichstätt ist. Es gibt jedoch auch einen Stadtbahnhof Eichstätt. Insgesamt gibt es hier sogar vier Bahnhöfe. Und so bin ich vom Stadtbahnhof Eichstätt zum Bahnhof Eichstätt gefahren, dort in eine Regionalbahn nach Treuchtlingen umgestiegen. Von Treuchtlingen, wo ich vor Kurzem auch schon gewandert bin, konnte ich dann bald nach Nürnberg weiterfahren.

Barockes Eichstätt am fränkischen Jura

Was mir in sehr schöner Erinnerung blieb, ist Eichstätt mit seiner barocken Altstadt. Die Stadt hat einen ganz eigentümlichen Charme. Dieser Ortskern ist in zarten Pastellfarben gehalten, manchmal wagt sich auch ein Orangeton hervor oder was Gelb. Es ist eine etwas morbide Pracht. Es würde mich schon interessieren mir den Ort in Ruhe anzusehen. Ich werde ja von Eichstätt aus weiter wandern und vielleicht mache ich es dann so, dass ich einen Tag eher anreise, mir den Ort in Ruhe anschaue und am nächsten Tag wandere. Ich glaube, das könnte interessant werden.

Die ersten vier Etappen des Jakobswegs waren gesäumt von vielen Erfahrungen und Eindrücken, von traumhafter Landschaft und hübschen Orten. Ich bin gespannt, wann ich hier weiter wandern werde. Jetzt freue ich mich erst einmal auf Kommentare – zu diesem oder den anderen Berichten. Vielen Dank fürs Bis-hierher-lesen!

2 Gedanken zu „Jakobsweg Nürnberg – Eichstätt, 4. Etappe“

  1. Hallo, liebe Andrea, es ist ein ganz toller Beitrag . Sehr ausführlich beschrieben. Auch die Aufnahmen sind besonders schön. LG Mutti

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    • Vielen Dank, liebe Mutti, ich freue mich sehr, dass du hier mitliest. Und noch mehr, dass dir meine Berichte so gut gefallen! 🙂 Dankeschön und liebe Grüße! Andrea <3

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